# Tuesday, November 01, 2005

Liebes Tagebuch!

Ich muß mich mal wieder an deiner starken Schulter ausweinen. Der Grund, frägst Du?  Der letzte Tag meines Urlaubs auf den Kanaren.

Weil mein samstäglicher Rückflug ab Teneriffa Reina Sofia frühzeitiger als alle gangbaren Fährverbindungen abging (ich weilte auf Gomera, Valle Gran Rey, La Calera), hab’ ich mir für Freitag auf Samstag ein Hotel in der Nähe von Los Cristianos gesucht, dem Fährhafen von Teneriffa. Sol Sun Beach Apartments am Playa Fanabe, gebucht, wie es sein soll, via Internet.

Mir kam schon bei der Taxifahrt zum Hotel der leise Gedanke, daß dies der in Beton gegossene Pauschalterroristenurlaubshorrorort sein könnte. Es hätte mich ja vor Betreten des Hotels schon mißtrauisch stimmen sollen, daß die Lokale die ich bis dorthin sah ein englisches Brechfest als erstes auf der Karte stehen hatten.

Wie recht ich leider hatte! Mit einem Buch unter dem Arm (Professional Software Development, ich disqualifiziere mich gerne im Urlaub) dachte ich „suchst Dir halt ein Beisl auf einen Kaffee und Bocadillo“. Denkste. Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.

Kaum an der Strandpromenade angekommen sehen meine geröteten Augen einen Würger King. Um die Augen auszuruhen ein Blick in die Ferne – oh Unheil, natürlich gibt es hier auch einen McVomit. Aufgeben gilt ja nicht, daher eine Etage tiefer, und die ganzen Lokale inspiziert. Alles Englisch, und die abendlichen Fußballspiele sind angeschrieben. Inselaffen sind also hier zugange. In Mengen.

Mit dem Tag habe ich abgeschlossen, allerdings wollte ich zumindest an der lautesten Adresse des Platzes Abendessen (suizid angehaucht der BLfH, aber pathologische Erlebnisse haben auch ihren Reiz). Um mir wenigstens nicht die geschmackliche Erinnerung zu versauen eine Mafiatorte eingeworfen. Bei der Rechnungslegung sollte allerdings nachgebessert werden: mit südlicher Einstellung war das nicht zu erklären, sondern eher mit Servicio auf Augenhöhe mit den Servisios.

Das ganze kann man übrigens locker toppen – man muß nur mit der „richtigen“ Truppe im Flieger retour sitzen... so geschehen im Niki Flieger nach Salzburg, wo die Touris beim Landen als auch nach der darauffolgenden „Begrüssung“ der Stewardess in Salzburg geklatscht haben. Manchmal, nur manchmal möchte ich im Boden versinken. Pauschaltouristen extraordinaire.

Was sonst noch aufgefallen ist

  • daß auf Gomera ein Renault Clio Williams wirklich Sinn machen kann
  • daß Spritpreise a la 68 Cent pro Liter Diesel dem gelernten Österreicher die Tränen in die Augen treibt
  • daß der Klopapierverbrauch eine Funktion der Verfügbarkeit zu sein scheint (je mehr vorhanden ist, desto rapider ist der Verbrauch)
  • daß Sperrflächen in Spanien scheints generell als Parkfläche mißbraucht werden, was bei der Einfahrt in den Kreisverkehr die Sicht allerdings sehr beschränkt
  • daß man sich vorher genauer über die Lage der Unterkunft erkundigen sollte, weil dann erspart man sich die Kofferschlepperei sogar ganz (gell, Claus?)
  • daß wenn man Urlaub auf einer Deutsch-verseuchten Insel macht, man daran denken sollte, daß die quasi alles reservieren was nicht schnell genug wegrennt
  • daß man um 40 Euro auch länger als eine Stunde Taxi fahren kann (San Sebastian de Gomera nach Valle Gran Rey)
  • daß bergauf ein LKW schneller sein kann als Du. Und zwar viel schneller.
  • daß ich zum ersten Mal seit Urlaubsgedenken meine ehrgeizigen Pläne punkto Lesestoff durchgebracht habe
  • daß ich mich mit Batidos und Bocadillos angefüllt habe wenn’s denn irgendwie ging. Frische Mango, Chirimoya, Guave oder Maracuja sind einfach zu lecker.
  • daß ich meine Lokaltips sicher nicht publizieren werde, ein Geheimtip bleibt eben nur dann ein Geheimtip wenn er geheim ist
  • daß ich genau deswegen jetzt verschärftes Hometraining vor mir habe. Der Gourmand Gourmet hat wieder zugeschlagen
  • daß der BLfH wieder da ist, fürchte Dich!
Tuesday, November 01, 2005 3:22:28 PM (GMT Standard Time, UTC+00:00)  #    Comments [0]
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