Darf ich bemerken daß mir der heurige Winter schon leicht auf die Nerven geht? Permanente Schneedecke seit Ende November, und mehrmals bescheidene Autofahrverhältnisse. Warum also nicht auch beim Skiurlaub...
So geschehen letzte Woche bei der Anreise nach Meribel in Frankreich (siehe Gebote, Al Bundy). Schnee ab Bern - Schweiz, für die die langsam sind - auf der Autobahn, aber da waren es eh' nur 5 bis 10cm, sowas ignoriert der steiermärkische A9 trainierte Autofahrer ganz elegant (Motto: Schneeräumung, was, auf der Autobahn? Das kostet doch!). Lustig war's dann schon auf der Paßstraße bei Cruseilles: bergab mit dem nötigen Respekt und Tempo 30, hat aber dennoch gereicht um den Rattenschwanz zu verlieren.
Weiter auf der Autobahn hinter Albertville, man folgt dem Autobus auf der linken Spur (wenig untertrieben war der Kerl glatt 20km permanent auf der linken Spur unterwegs). Macht um vier Uhr in der Früh richtig Spaß. In Moutiers dann die erste Überraschung: die Abzweiger nach Val Thorens stehen alle - was tun die denn? Ketten anlegen!
Ein klein wenig mulmig war mir dann, denn: werden die Franzosen doch wohl nicht etwa Schneeketten verpflichtet haben? Abwarten. Also unsere Abfahrt nach Meribel genommen, und, Überraschung, auch hier bleibt alles und jeder stehen und legt Ketten an. Da die Strassenverhältnisse nicht nach Ketten aussehen, und uns das Strassenschild mitteilt "Kettenpflicht, aber Winterreifen sind auch OK", ab in den Anstieg.
Bei der Abzweigung Courchevel - Meribel entschieden wir uns für die Kreativvariante: Courchevel war gespurt (ein Räumfahrzeug hat die Strasse irgendwann mal doch absolviert), also via Le Praz und La Tania (die Höhenverbindung zu Meribel) rauf. Ich bin stolz auf mich: hole doch glatt zwei einheimische Autobusse ein. Die Freude weicht als ich von einem Einheimischen auch noch überholt werde, gut, der hat Allrad. Witzig wird die Sache als der Bus #1 sich zur Seite stellt, und der Schulbus (mein Vordermann) auf's Gas steigt: whoa! Unpünktlich werden die Kids auch heute nicht sein, soviel ist sicher. Kreatives Hinterherrudern.
In Le Praz trennen sich die Wege, und ich stehe im nahezu ungespurten Tiefschnee - lockere 30+ cm Schnee auf der Strasse, vielleicht drei andere (Co-Trottel) sind auf der Strasse schon unterwegs gewesen. Die Chef-Meinung "die Strecke ist eh' flach" erweist sich innerhalb kürzester Zeit als falsch, mit Vollgas, zweitem Gang und wenig dezentem Tänzeln geht es bergan. Da geht einem der A. wirklich auf Grundeis. Schlimmere Fahrbedingungen dürften schwierig zu finden sein. Zumindest nix wo ich nicht auch mit Ketten mich weigern würde.
Weil stehenbleiben und wieder anfahren mit ohne Ketten (Moment, ich besitze doch gar keine Ketten) fraglos ausgeschlossen war, mußten auch die vielen Schweller - Tempobremsen der absolut radikalfranzösischen Art - vollé und mit Speed genommen werden. Was (a) zu Protesten auf den billigen Plätzen führte, und (b) den absolut filmreifen und lächerlichen Effekt einbrachte, daß das Auto unter den Schnee eintauchte und der am Heck wieder drüberschoß. Surreal, und brauch' ich absolut kein zweites Mal.
Der ganze Mumpitz hat in tutto eineinhalb Stunden zusätzliche Fahrzeit gekostet, und das da ist bitte ein geräumter Parkplatz um sieben in der Früh:
Die Geschichte mit den Ketten ging ja den ganzen Tag noch weiter - zum Haus konnten wir nicht, weil ständig wer hängen blieb (an Stellen die für mich absolut nicht nachvollziehbar waren). Und Ketten angelegt hat. Wenn die Strasse einspurig ist, ist mit vorbeifahren auch Essig, ergo umdrehen, später neuer Versuch. Und da ging's auch, bis auf die Skifahrer, die die Strasse zweckentfremdet haben um zu ihren Apartments zu kommen: lustig so viele erschreckte Gesichter zu sehen, wenn sie auf die Seite sprinten weil einer mit Tempo raufkracht. Wieder ein Minuspunkt für uns Österreicher. Egal.
Aufgrund des an diesem Tage erlebten schlage ich folgendes vor: das Schimpfwort Warmduscher durch Kettenanleger auszutauschen. Was wir da alles gesehen haben, Schande, Schande, Schande.
Damit dieser Post auch anderweitig BLfH-Blog tauglich wird, ein Bildchen eines Wirtshausschildes (im Tal #4 der Drei Täler):
Ich mag mich täuschen, aber Picknick schreibt sich so nicht im Deutschen. Andere Kreativschilder haben wir nicht abgelichtet, aber die waren ähnlich bis schlimmer kreativ.
Daß der Spruch "Wenn's am Sonntag stürmt und schneit, ist der Montag nicht mehr weit" auch stimmt, zeigt ein Panoramabild mit Blick auf den Mont Vallon (zwei Tage Schneefall für 60cm Tiefschnee ist ja mehr als genug, fünf Tage blauer Himmel entschädigen angemessen ):
Neben Kampfskifahren (8:45 bis +-16:00 mit ohne Pause) gab es auch noch als Rahmenprogramm Lesen, in meinem Falle das Buch Body of Secrets von James Bamford (Deutscher Titel: NSA). Junge, Junge. Beim Kapitel Blut hätte ich fast einen solchen Rausch bekommen, und die Ami-Aktionen in Vietnam oder Korea erscheinen auch in einem anderen, hochnotpeinlichen Licht. Definitiv eine Empfehlung wert wenn man mal ein wenig mehr über die "No Such Agency" erfahren möchte.
Frankreich Skiurlaub #20 Fin.
PS Ich habe klebriges Mus