Es hätte so schön sein können: Das Bundesrechenzentrum hat das SAP-upgrade verbockt, es geht also nichts (und ich kann meine Hände in Unschuld waschen). Ausserdem ist CS krankgeschrieben seit sie versucht hat einen Parabelflug in eine Radtour einzubauen. Besser geht es nicht denkt sich da der Assistant BLfH und reibt sich die Hände.
Das war vor drei Wochen. Seither ist es vorbei mit Hände reiben und stattdessen war Haareausraufen angesagt. Kommen wir nun zur traurigen Geschichte:
Das Semesterende an der Uni naht und eine Lehrveranstaltung mit einer externen Vortragenden die alle zwei Jahre stattfindet (die Lehrveranstaltung, nicht die Vortragende) steht am Tapet. Dafür wird - natürlich - ganz spezielle Seismik-software benötigt. Läuft normalerweise nur auf Suns, und unsere entsprechende Maschine ist tot. Mainboard gezappt. Was tun? Sun reparieren, eine Sun mieten oder nach Alternativen suchen? Letzteres - ganz brandaktuell ist eine Linuxversion der Software erschienen und die könnte man doch auf einem PC testen, die Dinger hat man ja massenweise.
Also schauen wir uns die Spezifikationen an - Dual Xeon, 4 GB RAM???? Spinnen die? Ah, es geht auch kleiner. P4, 1GB als absolutes Minimum. Schon besser, schliesslich soll das ja nur in kleinem Rahmen und für kurze Zeit verwendet werden, wir sind ja kein Erdölkonzern.
Aber da geht es schon mal los. Keine passende Kiste frei, also fragen wir bei den diversen Händlern an ob die was passendes als Leihgabe haben. Als kritisch erweist sich die gewünsche Grafikkarte. Nvidia Quadro, schliesslich wollen wir ja zwei Monitore anhängen. Erstens teuer (müssten wir kaufen, sowas nimmt keiner zurück) zweitens nicht lieferbar. Hmm. Inzwischen ist schon mal fast eine Woche vergangen. Grübel. Geld ist (natürlich) auch nicht viel da. Ha! Wir machens ganz billig, Radeon 7000, die kann schliesslich auch Dualhead dafür hat sie weniger RAM als minimal gefordert, kostet aber fast nichts und das in einem Rechner auf Duron-basis, denn informelle Anfragen bei der Softwarefirma haben ergeben daß nicht unbedingt Intelprozessoren nötig sind, sie sind nur zu faul was anderes als die bei ihnen im Haus verwendeten Rechner zu zertifizieren.
Die Kiste wird also am Sonntag - wieso sollte man am Wochenende nichts tun - hergeschafft, und wir machen uns auf die Suche nach dem passenden Linux: RedHat 7.3 oder Enterprise Workstation 2.1. Etwas älter also, schliesslich sind Fedora Core 2 und Enterprise 3 aktuell.Wenn ich 7.3 sowieso patchen muss, kann ich doch gleich ein aktuelleres RedHat verwenden, oder? Also rein mit den Fedora CDs, Installation läuft problemlos, Dualhead richtet man auf einen Mausklick ein. Super. Also rein mit der Software.
Gut, der Installer für Oracle 8i (Jede teure und umständliche Software braucht Oracle - ausser SAP. Aber lassen wir das.) braucht ein paar Bibliotheken die Kompatibilität mit den alten Glibcs herstellen gegen die dieses Monster gelinkt wurde. Und noch ein paar solche Kleinigkeiten, aber die lassen wir hier mal beiseite. Die Bibliothenken gibt es für neuere Linuxversionen nicht mehr. Haha.
Was solls, im Internet findet man doch sicher was. In der Tat, RedHat 7.3 findet sich. CDs gebrannt und los gehts. Bootet nicht. Hmmm. Bootdiskette gemacht, nächster Versuch. Bricht mit einem '-11' Fehler ab. Sch....
RedHat 9 lässt sich installieren, aber das mag die Grafikkarte nicht. Der richtige Treiber wird installiert, Rechner wird voller Vorfreude neu gestartet und sobald XWindows starten soll, wird der Bildschirm abgeschaltet. Laut Foren im Internet kann das vorkommen, aber neuere Treiber zur Behebung des Problems finden sich nicht und für Tricksereien ist keine Zeit.
Ab ins Internet, Enterprise 2.1 suchen. Gibt es nicht. Ist ja die kommerzielle Variante von RH und ausserdem wurde der Support dafür vor zwei Jahren endgültig eingestellt. Google. Noch mehr Google. Ah, es gibt aus dem Sourcecode kompilierte Versionen von Dritten. Her damit. Wieder werden diverse Rohlinge verbraten.
Inzwischen ist weniger als eine Woche bis zu Beginn der Lehrveranstaltung. Taolinux wird installiert. Sieht gut aus. Grafikkarte geht, Dualhead ist auch kein Problem. Diesmal tricksen wir: RedHat 7.3 CD rein, Bibliotheken installiert, presto! Oracle lässt sich installieren. Gut, ein paar verbockte Berechtigungen vermurksen den ersten Anlauf (Wieso lässt sich Oracle nicht von 'root' installieren? Dabei müssen bestimmte Installationschritte mit root-Berechtigung ausgeführt werden). Also Telefonhörer ans Ohr geklemmt und abwechselnd in Wien oder Hannover anrufen und nochmal von vorn. Diesmal geht es - 40 Seiten Installationsanleitung und die hat noch Lücken... Weiter mit der grossen Software. Die mag überhaupt nicht, offensichtlich hat Oracle doch eine Macke. Langsam wirds wirklich eng.
Offensichtlich ist Taolinux ein Klon von Enterprise 3. Aha. Also suchen wir ob es irgendwo einen Klon von 2.1 gibt. Bingo! CentOS heisst er. Her mit den Rohlingen. Installation ist ein Erfolg, sieht zwar leicht antik aus, aber was solls. Oracle lässt sich installieren, die grosse Software nicht. Die Patches... Natürlich. Wo bekomme ich die empfohlenen Patches fürs System her? Offensichtliche Antwort: nirgends. Seufz. Egal, Oracle drauf - geht. Software drauf - geht. Nur die Lizenz findet er nicht. Die hängt nämlich nur von der MAC-adresse der Netzwerkkarte ab. Und die Netzwerkkarte wird von CentOS nicht gefunden. Grrrr.
Freitag. Am Montag um 8 Uhr solls losgehen. Uiuiui... Hektische Telefonate, wir bekommen die RH7.3 CDs vom Softwarehersteller zusammen mit einer Patch-CD per Kurier. Angeblich gehen die mit allen Rechnern, inklusive den modernsten. Kommen an, CD einlegen. Starten. Bootet nicht. Diskette nehmen, Fehler '-11'. Ganz grosses Aua.
Fehler '-11' hat was mit Speicher, Cache oder sonstwas zu tun laut RH7.3 FAQ. Toll. Alle Bestandteile des Rechners sind kompatibel zu dem speziellen Linux, aber nicht die Kombination die vor mir steht. Lasse mir eine Leberkässemmel als Mittagessen bringen - Luxus. Ein heldenhafter Entschluss dämmert in mir auf: der Backup- und SUS-server! Ich deaktiviere den, baue das RAM aus (512 MB vorhanden, plus 1 GB. Lechz!) hänge die normalen HDs ab und klemme die Linuxplatte und die Grafikkarte rein. Was solls, die Zeit ist knapp und Backups macht ausser mir eh keiner hier. RH 7.3 installiert problemlos, schliesslich habe ich das ja inzwischen oft genug durchgemacht. Patches installieren, hmm, das grafische Tool kann immer nur einen. Es sind aber ca. 100. Seufz. Ab auf die Kommandozeile und mit ein wenig Rücksichtslosigkeit bezüglich Abhängigkeiten untereinander gehts. Oracle - passt. Software - passt. Lizenz wird gefunden. Auf ins Wochenende!
Nur... es sollen von drei anderen SUNs aus Studenten Zugriff bekommen. Numerische IPs gehen. Aber nicht alle. Hmmm. Nach ein paar Stunden herumprobieren am Sonntag (soviel zum Thema 'Wochenende') stellt sich heraus daß die Rechner in unterschiedlichen Subnetzen hängen. Die Rechner mit IPS unter *.80 können miteinander, die drüber können miteinander, zusammen können die aber nicht. Ausserdem hat eines der Subnetze den Gateway in einem komplett anderen Adressbereich. Oh Freuden einer historisch gewachsenen Netzinfrastruktur. Grübel. Heureka! Wir hängen die Rechner direkt über einen Switch zusammen. Es geht! Accounts und X-verbindungen auf den Suns einrichten und um 9 Uhr abends am Sonntag nach Hause.
Montags: alles geht, nur für Dualhead war keine Zeit mehr. Was solls, muss man halt ab und zu die Maus bemühen. Friede bis Donnerstag. Ein bestimmtes Programm-modul meckert weil weniger als 1 GB RAM zur Verfügung stehen würde. das kann doch nicht sein??? Ich habe 3 512er-Riegel eingebaut. Gleiches Timing. Häh? Tatsächlich: das System findet nur 512 MB. Also keine Mittagspause, Schraubenzieher in die Hand genommen und 'Riegelein-wechsel-dich' gespielt. Immerhin erkennt die Kiste 1 GB wenn ich nur die neuen RAMS drin habe. Was ist da los? Egal, die Software läuft.
Fazit: Spezifikationen kann man ignorieren - das einzige was an der Konfiguration störte war daß dünne diagonale Linien ignoriert wurden. An den Suns allerdings nicht, und da sassen ja die meisten Teilnehmer dran.
Fazit II: Wenn man an der Hardware spart, zahlt man an Zeit drauf.
Schnirch