Endlich habe ich meine Traumata überwunden die mich vom Verfassen eines richtig ausführlichen Schnirchs abhielten. Traumata? Ein (Assistant) BLfH kann doch durch nichts traumatisiert werden??? Doch. Und zwar durch den Gegenstand dieses Schnirchs.
Saftware. Verwaltungssaftware. Onlineverwaltungssaftware.
Nennen wir dieses wunderschöne Stück exkrementeller Software "Bür-O", kurz für "BÜRokratie-Online". Damit dürfen wir uns hier seit einem halben Jahr herumärgern. Und erst jetzt ist mein Karma wieder soweit in der Nähe eines Gleichgewichts daß ich mich darüber auslassen kann.
Parkinsons Gesetz kennt ja wohl jeder. Unser aller liebste Verwaltung lebt dem Gesetz mit einem Eifer nach, der einen durchschnittlichen Fanatiker mit Schaum vor dem Mund moderat aussehen lässt (Kleines Beispiel: Urlaub muss in Arbeitsstunden beantragt werden, geht aber trotzdem nur tageweise. Im Excelsheet dafür ist natürlich die entsprechende Spalte schreibgeschützt, sonst könnte mans ja ausfüllen. Lassen wir das, zurück zum Thema). Und mit Hilfe von Computern geht das natürlich alles noch viel besser. Siehe auch die subtilen Freuden der
Saftware
aus
Pakistan in
diesem Schnirch.
Geschäftsprozesse lassen sich doch immer noch ein wenig optimieren. Mit Saftware. Handgestrickter Saftware vorzugsweise. Im konkreten Fall gestrickt in inniger Zusammenarbeit einer Univerwaltung mit einem Informatikinstitut auf der selben Uni, das für exzentrische Versuche das Web durch was eigenes zu ersetzen ein gewisses Mass an "Ruf" erlangte. Nachdem dieses Projekt nach einigen Jahren mit starkem Verwesungsgeruch zu Grabe getragen wurde, hat man da dann doch widerwillig das Web akzeptiert und dieses "Juwel" von Bür-O implementiert. "Programmieren" möchte ich das nicht nennen... Was soll den schon schiefgehen wenn Akademiker die Spezifikationen von Schreibtischtätern in Programme umsetzen?
Technische Grundlage ist alles was in Hochglanzmagazinen für IT-manager gerade so in ist: Clientseitiges JavaScript (ok, das nennt man jetzt ja AJAX, stinkt aber trotzdem), serverseitiges Java, die historisch gewachsenen Orakeleien der Personalverwaltung und das SAP daß vom Ministerium aufgepfropft wurde. Die Datenbanken sind dabei natürlich sicherheitshalber für die meisten Benutzer read-only um zu gewährleisten daß *alle* wichtigen Änderungen von zwei Tanten in der Verwaltung durchgeführt werden müssen die eigentlich lieber den lieben langen Tag ihre Fingernägel feilen würden. Jede der beiden natürlich für andere Teile der Datenbanken. Redundanz? Häh?
In Büro I ist wer wohl der "Bür-O"-beauftragte? Genau. Schnirch. Massenweise Powerpoint als Schulung - drei Viertel davon war ein komplett unrealistischer Zeitplan der dann auch prompt nicht eingehalten wurde - der Rest Screenshots zu einem einzelnen Submodul dieser Qualle. Also "learning by hurting yourself". Und das war - und ist - schmerzhaft. Meinereiner darf zwar in unserer "Organisationseinheit" Funktionen an Mitarbeiter vergeben, wenn aber z.B. die Telefonnummer aus einer Oracledb dem falschen Mitarbeiter zugeordnet ist kann ich das nicht selbst beheben. Ok, soll sein, von wegen Nachvollziehbarkeit, Datenintegrität, blahblahblah. Melden kann ich das der zuständigen Tante aber auch nicht. Wär ja eventuell effizient. Also geht das so: ich melde an CS, CS meldet wenn sie mit ihren Schutzengelbriefen für den Tag fertig ist - und ihr Notes noch nicht wieder kaputt - die Korrektur schriftlich an die jeweils zuständige Tante. Und so gehts mit allem. Ab und zu kommt eine verirrte email daher in der einem post mortem erklärt wird daß wieder irgendetwas an der Rechtevergabe geändert wurde, so daß die Funktionen für alle betroffenen Mitarbeiter neu vergeben werden müssen plus zusätzliche neue Funktionen, logo. In anderen Fällen kommt gar nichts und man wundert sich über einen neuen Menüpunkt. Jedesmal spannend das auszuprobieren.
Ich könnte mich jetzt noch seitenlang über Juwelen wie die Unmöglichkeit Vorgänge aus zurückliegenden Jahren abzuschliessen auslassen oder über die Tatsache daß manche dieser Vorgänge früher mit einem Formular erledigt waren, jetzt aber das ganze Online mit *zwei* Ausdrucken des Formulars zusätzlich zu erledigen ist oder daß mitunter Mitarbeiter in der Saftware auftauchen und wieder verschwinden und ebenso Mitarbeiter anderer OEs bei uns auf einmal auftauchen, aber lassen wir das. Sonst beisse ich noch vor Freude in die Tischkante statt in die Chilischokolade.
Schnirch